Aus der Forschung: Unkraut im Rasen

Alternative Möglichkeiten zur Reduzierung
Abb.1: Starker Unkrautbesatz bei unterversorgtem Rasen. Foto: Klaus Müller-Beck

Gerade beim Sportrasen ist es wichtig, ausreichende Strapazierfähigkeit und ein entsprechendes Regenerationswachstum bei den Gräsern zu garantieren. Für eine dichte Rasennarbe sind ausreichende Nährstoffe erforderlich. Erst wenn der Rasen lückig wird, können unerwünschte Pflanzen, wie beispielsweise Löwenzahn, Wegerich, Gänseblümchen oder Moose in die Rasenfläche einwandern. Eine gute Nährstoffversorgung ist der erste Schritt zur Vorbeugung von Unkräutern.

Bei einem erhöhten Beatz kann unter sportfunktionalen Gesichtspunkten eine Behandlung mit Herbiziden notwendig werden. Auch wenn zugelassene Präparate zur Verfügung stehen, sollte aus ökologischen Überlegungen nach alternativen Möglichkeiten gesucht werden.

An der Universität Wageningen läuft derzeit ein umfangreiches Forschungsprojekt zur Frage der Herbizid freien Unkrautbekämpfung auf Rasenflächen am Beispiel von Golf-Fairways. Im Rahmen einer Dissertation bearbeitet Daniel Hahn dieses innovative Forschungsvorhaben unter dem Titel: „Non-herbicidal Weed Control for Turf Areas“.

Zielvorstellung für die Zukunft

Das gesamte Entwicklungskonzept entstand vor dem Hintergrund, dass in den Niederlanden im Rahmen des „Green Deal 2020“ seitens der Regierung ein umfangreicher Verzicht auf die Anwendung von Pflanzenschutzmittel im Rasensektor zu erwarten sein wird, um eine grüne, nachhaltige Zukunft zu gewährleisten.

Sofern Herbizide im Rasenbereich verboten werden, sind also ökologische Alternativen für ein nachhaltiges Rasenmanagement zu entwickeln. Bei den derzeitigen Untersuchungen werden verschiedene Ansätze verfolgt.

Zunächst sollen Gräserarten und selektierte Sorten mit überdurchschnittlichen allelopatischen Eigenschaften herausgefunden werden, um dann in einem weiteren Schritt, geeignete Management-Strategien für diese Gräser zu entwickeln, sodass eine möglichst erfolgreiche Unkrautunterdrückung gewährleistet werden kann.

Forschungsschwerpunkte

Bei den Untersuchungen stehen insgesamt vier Arbeitsschwerpunkte im Fokus:

  • Erstellung eines perspektivischen Pflegedokuments zur Eindämmung der Unkrautflora.
  • Auswertung der allelopathischen Wirkungen von Gräsern auf Unkrautsamen.
  • Feldversuche mit vier N-Stufen und zwei Schnitthöhen zur Bewertung des Konkurrenzverhaltens der Gräser gegenüber der Unkrautflora.
  • Digitale Bildanalyse zur Erfassung der Unkrautdichte im Hinblick auf Schadschwellen für den Integrierten Pflanzenschutz (IPS).

Im Feldversuch werden unterschiedliche Schnitthöhen sowie das Düngungsregime mit vier N-Stufen (0, 50,150, 200 kg N/ha/J) betrachtet.
Insgesamt werden zahlreiche Gräserarten und Sorten sowie die bodenbiologischen Eigenschaften des Pflanzenbestandes untersucht.

Allelopathische Wirkung bei Gräsern

unkraut im rasen 02 klimakammerversuchAbb.2: Klimakammerversuch zur allelo-
pathischen Wirkung bei Gräsern. Foto: D. Hahn

 

In der Regel wirken diese biochemischen Stoffe fördernd oder hemmend auf die Nachbarpflanzen im Bestand. Oft sind es jedoch hemmende Wirkungen auf die Keimung, das Wurzelwachstum oder das Triebwachstum (ANONYMUS, 2015).

Dieses Phänomen wird in umfangreichen Versuchsreihen mit 30 ausgewählten Sorten aus dem Arten-Spektrum der Festuca-Gräser und definierten Beikräutern (Schafgabe, Gänseblümchen, Weißklee) zunächst in Klimakammer-Versuchen untersucht.

Unter Allelopathie versteht man die gegenseitige Wirkung von Pflanzen aufeinander. Dabei werden chemische Botenstoffe produziert und ausgesandt. Jede Pflanze, die einen Wirkstoff produziert, der eine andere Pflanze beeinflusst, wird als allelopathisch bezeichnet.

Umfangreiche Feldversuche

Aus dem, in der Klimakammer getesteten Sortenspektrum, wurden sechs Sorten für die weitere Untersuchung in Feldversuchen ausgewählt. Dazu wurden die Parzellen jeweils in Kombination mit einem Beikraut und eine Variante mit der Beikraut-Mischung sowie die Varianten reine Grassaat und reine Unkrautsaat als Kontrolle angesät. Insgesamt werden 144 Parzellen beprobt.

Untersuchungs-Methoden

Zur Erhebung aussagefähiger Kriterien werden regelmäßig verschiedene Bonituren und Messungen durchgeführt.

Hierzu zählen:

  • Rasen-Vitalität über einen Zeitraum (Bonitur von 1 bis 9). .
  • Rasen-Aspekt (Bonitur von 1 bis 9).
  • Deckungsgrad der Unkrautpflanzen in % (Point Quadrant-Methode).
  • Rasen-Qualität mittels Digital-Kamera und Fotobox sowie Software zur Auswertung.

Zur Optimierung des visuellen Verfahrens zur Ermittlung der jeweiligen Unkrautarten, wird derzeit an der Nutzung der multispektralen Bilderfassung gearbeitet (HAHN et al., 2019).

Die ersten Ergebnisse aus den umfangreichen Untersuchungen, die bei dem „2.TuRF-Knowledge Day 2018“ in den Niederlanden vorgestellt wurden, sind vielversprechend (HAHN, 2018). Sobald Ergebnisdaten aus diesem Forschungsprojekt ausgewertet wurden, wird in der Zeitschrift RASEN-Turf-Gazon darüber berichtet.

Literaturhinweise

ANONYMUS, 2015: Unterirdische Kämpfe: Pflanzliche Kriegsführung mit chemischen Giftstoffen. Redaktion Pflanzenforschung.de. https://www.pflanzenforschung.de/index.php/tools/generate_journalbeitrag.

HAHN, D., P.ROOSJEN, J. NIJP und B. LEINAUER, 2019: Object based image analysis of very high resolution multi-spectral imagery for classifying and quantifying weeds in turfgrass areas. Z. RASEN-Turf-Gazon, 50, S. 52-53.

HAHN, D., 2018: Ecological Weed Management: Research Update. Vortrags-Handout 2. TURF-Knowledge Day. E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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